Connection Reopening: "Du kommst hier nicht rein!"

22 Juni 2010

Das Connection ist wohl nicht nur einer der dienstältesten schwulen Clubs in Berlin, sondern zählt mittlerweile zu den Urgesteinen überhaupt in der schnelllebigen Club- und Diskothekenlandschaft. Regelmäßige Updates gehören zum Pflichtprogramm, will man mit dem zunehmenden Alter den Anschluss nicht verlieren: Umgestaltungen des Club-Innenlebens gehören hierbei ebenso zum Repertoir, wie Neuausrichtungen der Musik. Dass man es aber auch deutlich zu weit treiben kann, indem man auf die Herkunft der Besucher schaut und ehemalige Stammkunden vor der Tür stehen lässt, zeigt das Beispiel des Connection Clubs in Berlin Schöneberg.

Noch im April wurde die Schließung des legendären Gayclubs ausgerufen und die große Closing-Party entsprechend beworben. Dass es sich hierbei nur um einen der ältesten Marketing-Tricks der Clubszene überhaupt handelte, hatte man schnell geahnt. Gewissheit wurde es bereits wenige Wochen später, als die "Wiedereröffnung nach Umbau" für das Wochenende 11./12./13. Juni angekündigt wurde. Kurz zuvor gab es zusätzlich zu lesen, dass man nicht nur den Innenraum des Clubs neugestalten wolle, sondern den DJ zukünftig auch daran messen wolle, wie voll der Dancefloor sei. Sehr vernünftig, betrachtete man die oft eher leere Tanzfläche in der Vergangenheit.

Noch am Wiedereröffnungs-Wochenende zog es mich also in Richtung Connection, neugierig auf all die angepriesenen Neuerungen. "Heute nicht!" schallte es mir aber nur entgegen, nachdem der Türsteher meine Begleitung gesehen hatte: meinen asiatischen Freund. Am selben Abend kurz zuvor war es bereits weiteren Asiaten ähnlich ergangen, doch wollte ich mich davon selbst überzeugen, schließlich gehörten die Abgewiesenen früher fast zum Inventar des Clubs. "Wird jedes Wochenende neu entschieden", wurde einem nach hartnäckigem Fragen wenigstens noch mit auf den Heimweg gegeben.

Noch immer nicht glauben wollend, dass ein schwuler Club seiner Türpolitik eine rassistische Note verleihen würde (hätte ja alles Zufall sein können), versuchten wir es am folgenden CSD-Samstag erneut. Und siehe da: Schwupp waren wir drinnen! "Geht doch", dachten wir und wollten uns entspannen. Doch kurz darauf zeigte sich: Bekannte von uns wurden erneut vor der Tür stehen gelassen, während andere munter Einlass erhielten. Eine einigermaßen entspannte Diskussion mit dem Türsteher brachte dann tatsächlich auch zutage, dass die neue Politik des Hauses vorsehe, den Asiaten-Anteil im Connection möglichst klein zu halten. Jetzt war es wenigstens raus...

Man kann zum Connection und zu Asiaten im Connection stehen, wie man möchte – aber: Wie kommt ein Club der schwulen Community auf die Idee, die sonst hochgehaltene Akzpetanz-/Anerkennung-/Gleichheit-/Toleranz-Flagge einzurollen, nur weil es ihm gerade besser passt? Ist es in Ordnung, Selektion aufgrund der ethnischen Herkunft zu betreiben, wo man doch eigentlich Stolz auf Facettenreichtum sein sollte? Obwohl die Antworten eigentlich auf der Hand liegen und das Connection zusätzlich ehemalige Stammgäste dauerhaft zu verlieren droht (neben den unmittelbar betroffenen Asiaten gibt es da noch diejenigen, die früher zusammen mit oder wegen der Asianten gekommen waren), hat sich irgendein schlauer Kopf gedacht, das neue Konzept könnte den Laden auf Vordermann bringen. Sehr schade, sehr dumm. Und sehr schädigend.

Trotz dieses finalen Negativ-Erlebnisses will ich aber nicht verheimlichen, dass der restliche Umbau nach dem Motto "Wenn schon, denn schon!" stattgefunden hatte. Man scheint sich jetzt mehr einem Bar-Konzept zuwenden zu wollen, immerhin dominiert den Laden jetzt eine riesige komplett umgehbare Bar, ist die Tanzfläche verkleinert worden und hat sich endlich vom 90er-Großdissen-Überbleibsel der Verzehrkarte getrennt. Refinanzieren will man das alles aber offensichtlich über die Preise: Obwohl EUR 5,- für den Eintritt niedrig sind (ab jetzt ohne Freigetränk), sind EUR 4,- für eine Flasche Becks schon recht happig.

Insgesamt eher schade, dass das Connection diesen Weg beschreitet. Glückwünsche zum Umbau mit der Hoffnung auf einen kleinen Aufschwung bleiben da eher im Halse stecken.

Update am 06.07.2010: 
Mittlerweile wird das Thema auch auf Siegessaeule.de hitzig diskutiert.



Share/Save/Bookmark

4 Kommentare:

Anonym,  23. Juni 2010 15:26  

Genauso wie mit manchen Gästen geht das Connection leider auch mit seinen ehemaligen Mitarbeitern um. Die waren früher äußerst fähig und freundlich, wurden aber leider nach dem Umbau fast komplett durch Typen ersetzt die absolut keine Ahnung haben. sehr schade, früher war es dort besser.

Anonym,  24. Juni 2010 11:05  

Ja da würde ich mal sagen "business as usual". Im offline Bereich :) kommt man eben auch nicht um erfolgsorientierte Zielgruppensegmentierung herum. Warum auch immer das so gehandhabt wird kann man ja nur mutmaßlich erraten. Ich hab keine Ahnung wie viel die Asiaten trinken oder welche Getränke bestellt werden. Ich würde auch alles dahingehend ausrichten das da wo am meisten Geld verdient wird (Bar) auch der Cashflow stimmt. Jetzt kann man ja z.B. mit dem Argument kommen das z.B. russische Mitbürger auch nicht in alle Clubs kommen. Da würde ich dann aber gegenhalten das diese Bevölkerungsgruppe z.B. nur billige Getränke also Wodka usw. ordern. Das tuen die in massen, man verdient nur nichts. Zweitens gibt es, wenn die sich abgefüllt haben auch nur Probleme. Ergo lässt man die halt draußen und nimmt lieber die welche den ganzen Abend schön die Getränke konsumieren die wirklich Umsatz bringen. Das hat ja nichts mit Rassen-Abneigung zu tuen eher mit mehr Umsatz :). Also irgendeinen umsatzschmälernden Grund wird es schon geben.

Knusper 25. Juni 2010 20:31  

Jaja, Segmentierung... Hier geht es bloß nicht nur Werbebudget-Optimierung, sondern um Kunden. Es ist ja nicht gerade so, dass der Laden aus allen Nähten platzt und deshalb selektiert werden müsste. Im Gegenteil gilt im Clubleben ja sowieso eher: je voller der Laden, desto attraktiver. Und wenn sowieso jeder Eintritt zahlt, ist es sowieso schon fast wieder egal ("Ärger" macht da sowieso keiner). Ich denke mal, dass es ein paar Leute da draußen gibt, die einfach keine Asiaten da haben wollen. Und in der Hoffnung, dass bei Berücksichtigung eben dieses Wunsches mehr neues Publikum kommt, hat man sich für diese Politik entschieden. Das sind zwar auch wirtschaftliche Beweggründe, aber "niedere", wenn ich das mal so sagen darf; schließlich werden damit genau diejenigen unterstützt, die eben aus reiner Abneigung sonst fern blieben.

Frank,  7. Juli 2010 12:41  

Am 7.7. erreichte Siegessäule Online folgendes Dementi der Connection GbR:

Dementi zur Stellungnahme der Connection GbR vom 5. Juli

Hiermit möchte ich die obige Stellungnahme dementieren.

Zu meinem größten Entsetzen musste ich feststellen, dass eine nicht autorisierte Person eine Stellungnahme abgegeben hatte, die nicht im Sinne der Connection GbR ist und in keinster Weise unsere Anschauungen und Auffassungen widerspiegelt. Es handelt sich lediglich um eine persönliche subjektive Meinung einer einzelnen Person, die nicht Mitarbeiter der Connection GbR ist.

Es gab und gibt im Club Connection keinerlei Gruppierungen oder Personengruppen mit Anspruch auf ein „privates Domizil" und auch keinerlei Bestrebungen irgendwelchen Strömungen entgegenzuwirken, da es diese schlicht und ergreifend nicht gab und gibt.

Wir als Geschäftsleitung sind entrüstet und bedauern diese Äußerungen zutiefst und sind davon sehr betroffen.

Unser Team besteht beispielsweise aus Mitarbeitern verschiedenster Nationalität und wir setzen uns seit jeher für Toleranz und für ein friedliches Miteinander aller Nationalitäten, Religionen und Weltanschauungen ein. Dies zeigt beispielsweise unser jahrelanger Einsatz im Regenbogenfond, der Mitarbeit und Organisation des lesbisch schwulen Straßenfestes und vielerlei anderer Aktivitäten in der schwul-lesbischen Community in Berlin.

Gerade wir als homosexuelle Männer, die noch unter dem Paragraph §175 zu leiden hatten, wissen, wie zutiefst menschenverachtend Diskriminierung ist und tolerieren diskriminierendes Verhalten jedweder Art in keinster Weise.

Wir möchten uns hiermit in aller Form von diesen Äußerungen distanzieren und nochmals klarstellen, dass diese nicht der Meinung der Connection GbR entsprechen.

Zukünftig bitten wir freundlichst um Rücksprache mit der Geschäftsführung der Connection GbR für Interviews bzw. Stellungnahmen, da ausschließlich die Geschäftsführung dazu befugt ist, und um solche unnötigen Irritationen zukünftig zu vermeiden. Außerdem gehört es zum guten journalistischen Stil intensive, fundierte Recherche zu betreiben.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Sonntag, Inhaber Connection GbR

Kommentar veröffentlichen

  © Blogger template The Professional Template II by Ourblogtemplates.com 2009

Back to TOP